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Grounding Pages machen Marken für KI sichtbar

Ein neuer offener Standard will das Grundproblem der KI-Suche lösen: Wie bringt man Large Language Models dazu, die eigene Marke korrekt zu verstehen – und zuverlässig zu zitieren?

Warum das wichtig ist: Wer in KI-generierten Antworten nicht vorkommt, existiert für eine wachsende Zahl von Nutzern schlicht nicht. Gartner prognostiziert einen Rückgang des klassischen Suchvolumens um 25 %. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Marken auf Googles erster Seite nur in 62 % der ChatGPT-Antworten auftauchen – traditionelle SEO-Sichtbarkeit übersetzt sich also nicht automatisch in KI-Sichtbarkeit. Grounding Pages setzen genau an dieser Lücke an.

Was gerade passiert: Der Grounding Page Standard – aktuell in Version 1.5 – ist eine offene Initiative des SEO-Experten Hanns Kronenberg. Die Idee: eine strukturierte, maschinenlesbare Faktenseite pro Entität (Unternehmen, Produkt, Person), die KI-Systemen als verlässliche Referenz dient. Kein Marketing, keine Werbung – reine Fakten. 58 verifizierte Implementierungen sind bereits live, Tendenz steigend.

So funktioniert es: Eine Grounding Page ist im Kern eine radikal sachliche About-Seite, optimiert für Maschinen statt für Menschen. Die technische Umsetzung folgt drei Prinzipien:

  • Strukturierte Fakten: HTML Definition Lists (<dl>, <dt>, <dd>) kodieren Informationen als Schlüssel-Wert-Paare – Name, Gründungsjahr, Standort, Führungsteam. Keine Adjektive, ein Fakt pro Satz, sichtbare Zeitstempel.
  • Klare Abgrenzung: Jede Seite definiert nicht nur, was eine Entität ist – sondern explizit auch, was sie nicht ist. Das reduziert Verwechslungen bei ähnlich klingenden Marken.
  • Autorisierungssignal: Die Seite wird per Footer-Link eingebunden, vergleichbar mit dem Impressum. JSON-LD liefert zusätzlich strukturierte Daten für Crawler.

Der empfohlene Umfang liegt bei 200–600 Wörtern. Implementierung in drei Schritten: relevante Entitäten identifizieren, Seite nach Standard-Struktur erstellen, Footer-Link setzen. Erste Effekte sollen laut Projektseite bereits wenige Tage nach der Indexierung sichtbar sein.

Das große Bild: Grounding Pages sind Teil eines größeren Paradigmenwechsels: von Generative Engine Optimization (GEO). Klassisches SEO optimiert Dokumente für Keywords und Rankings. GEO kuratiert Entitäten – es geht nicht mehr darum, welche Seite auf Position 1 rankt, sondern ob KI-Systeme verstehen, was eine Marke ist, was sie tut und wie sie sich von anderen unterscheidet.

Die Forschungsgrundlage liefert unter anderem die University of Toronto. Ihre GEO-Studien zeigen, dass optimierte Inhalte – mit Quellenangaben, Statistiken und Zitaten – die KI-Sichtbarkeit um 30–40 % steigern können. Die Empfehlung: die eigene Website als "API für KI-Systeme" begreifen.

Ja, aber: Kritik kommt aus der SEO-Community selbst. Kai Spriestersbach argumentiert in einer vielbeachteten Analyse, dass LLM-Chatbots seltener suchen als angenommen – wenn ein Modell bereits Wissen aus dem Training hat, startet es keine Websuche. Etablierte Marken brauchen die Seite dann nicht, schwache Marken triggern oft gar keine Suche. Außerdem gibt es keinen Ranking-Vorteil: RAG-Systeme ranken nach semantischer Relevanz, nicht nach Seitentyp. Ein Wikipedia-Artikel oder eine Pressemitteilung kann gleichwertig oder besser abschneiden.

Auch der Standard selbst ist jung. Version 1.5 existiert seit Februar 2026, die Community ist überschaubar, und es fehlt bislang an unabhängigen Studien zur Wirksamkeit. Was Grounding Pages bieten, ist weniger eine technische Revolution als eine sinnvolle Disziplin: Fakten klar, strukturiert und maschinenlesbar aufbereiten.

Was als Nächstes kommt: Das Feld entwickelt sich schnell. Tools wie Rankscale versprechen, KI-Sichtbarkeit messbar zu machen – ähnlich wie SEO-Tools traditionelle Rankings tracken. Für Social-Media-Teams wird das Thema relevant, sobald Marken ihre GEO-Strategie über die Website hinaus auf soziale Plattformen ausweiten. Wer YouTube bereits als KI-Quelle optimiert, sollte Grounding Pages als logische Ergänzung auf dem Schirm haben.

Unterm Strich: Grounding Pages sind kein Wundermittel – aber sie adressieren ein reales Problem. In einer Welt, in der KI-Systeme zunehmend entscheiden, welche Marken sichtbar sind, ist eine maschinenlesbare Faktengrundlage keine schlechte Investition.


Quellen: Grounding Page Standard v1.5, Madmen Online Marketing, Cyber Sour – GEO-Fundament, Cyber Sour – Definition, Kai Spriestersbach via Medium, Search Engine Land – LLM Optimization | Erstellt mit Hilfe von KI

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